23.09.2020 / Agenda Liesing

Kindereuthanasie „Am Spiegelgrund“

4 neue Gedenksteine

 

Marlene Fabro, Waltraud Karger, Theres Leitner und Erika Stanzl waren Kinder und Jugendliche aus Liesing, die in der Wiener Fürsorgeanstalt „Am Spiegelgrund“ ermordet wurden.  

 

„Am Spiegelgrund“ gilt heute als Synonym für einen der schrecklichsten und brutalsten Orte der NS-Kindereuthanasie. Von 1940 bis 1945 wurden kranke, behinderte und „nicht erziehbare“ Kinder und Jugendliche gequält und an die 800 Kinder ermordet.

Erika Stanzl war eines dieser Opfer, als 17 jährige junge Frau wird sie wegen sog. Erziehungsschwierigkeiten in die Jugendfürsorgeanstalt Spiegelgrund im Mai 1941 zur Beobachtung eingewiesen. Getötet wird Erika am 28.2.1943.

Mit welcher Brutalität die nationalsozialistische Jugendfürsorge agierte, ist in der NS-Krankenakte von Erika Stanzel nachzulesen.

 

Bei der Gedenkveranstaltung in der Bücherei Liesing beleuchtete die Medizinethikerin Marianne Karner die Wurzeln dieser Verbrechen, die in den rassenhygienischen Vorstellungen der Weimarer Republik und des Sozialdarwinismus gelegen sind.

Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler im Jahr 1933 konnten die Nationalsozialist*innen die biologistisch-rassistischen Verbrechen an Kindern und Jugendlichen weiter ausbauen und die systematische Ermordung umsetzen.

Nach 1945 wurden von den über 90 angestellten Personen "Am Spiegelgrund" nur wenige vor Gericht gestellt. Der „Fall Gross“ veranschaulicht sehr deutlich die politische Verdrängungsideologie der Nachkriegszeit zur NS-Jugendfürsorge - „Spiegelgrund-Überlebende erzählen". http://gedenkstaettesteinhof.at/de/interviews